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Schülerinnen für MINT begeistern?!!

Es ist seit langem bekannt: Der Anteil an Schülerinnen im Fach in naturwissenschaftlich-technischen Fächern ist gering. Begründungen dafür gibt es in der Literatur viele: Vorurteile, schlechtes Image, Unsicherheiten bei den Berufsaussichten, traditionelle Rollenmuster... Diese Hürden lassen sich nach unseren Erfahrungen mindestens reduzieren - aber dafür sind Änderungen und Geduld nötig!

 

Auf Reset drücken: Der informatische Neuanfang 

Begonnen haben wir 2009 mit einem einzigen Oberstufenkurs Informatik und ca. 10 Schülern. Hinzu kam eine Stunde verbindlicher Unterricht in ITG (informationstechnische Grundlagen) in der Klassenstufe 7. In den Stufen 9 und 10 wurde Informatik als Wahlpflichtfach angeboten, aber ein Kurs kam aufgrund des geringen Interesses nie zustande.
Wir begannen, systematisch die alten Fachcurricula zu aktualisieren und alte Lehr-Methoden sowie -Inhalte durch aktuelle zu ersetzen: Anschaulicher und fassbarer sollte es sein, gleichzeitig aber auch nah an der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler. Der Schwerpunkt der bisher praktizierten und wenig anschaulichen Programmierung sollte durch modernere Wege ersetzt werden.
In die Fachcurricula wurde Scratch, die Berliner Datenbank "Web-Videothek", Bild(-Aufbau), Sounds und Robot Karol aufgenommen. Der App Inventor,  Java mit Greenfoot, entwickeln von Arduino-Schaltungen sowie praxisnahe Projekte (Homepage-Entwicklung für die Projektwoche sowie für die EM 2016, kamen später hinzu. Der Roboter mBot wurde ins Fachcurriculum integriert.

Mit dem einhergehenden steigenden Interesse stieg auch der Anteil an Schülerinnen in der Mittel- und Oberstufe. Je nach Jahrgang konnten wir den Stufen 9 und 10 einen Anteil von 30-50% an Schülerinnen verzeichnen, in den Grund- und Leistungskursen haben wir einen Anteil von bis zu 30% (konkrete Beispiele: LK Informatik (Abitur 2019): 5 von 20 Schülerinnen, LK Informatik (Abitur 2018): 2 von 10 Schülerinnen, LK Informatik (Abitur 2016) mit 5 von 15 Schülerinnen, LK Informatik (Abitur 2015) mit 3 von 11 Schülerinnen).
Mittlerweile verfügt die Schule über verpflichtenden einstündigen ITG-Unterricht in der Stufe 7, jeweils zweistündigen Wahlpflichtunterricht in den Stufen 8, 9 und 10 sowie regelmäßige Grund- und Leistungskurse im Fach Informatik. Ab dem Jahr 2016 nehmen ca. 250 Schülerinnen und Schüler am ITG- bzw. Informatikunterricht der Mittelstufe teil. In der Oberstufe sind es über 50 Schülerinnen und Schüler.

 

Schülerinnen als Vorbilder?

Warum nicht? In zwei Projektwochen haben Schülerinnen die Leitung einzelner Projekte übernommen und anderen Schülerinnen und Schülern Grundlagen der Mikrozessortechnik beigebracht. Insbesondere Melanie Schulze und Alexandra Pötke (Abiturientinnen aus 2015) haben den fertigen Flughafen zum Girls Day an die HU mitgenommen und dort anderen Berliner Schülerinnen Arduinos näher gebracht. Auch die Modellbau-AG haben sie ins Leben gerufen. Für dieses und noch weiteres MINT-Engagement wurden sie mit dem Mädchenpreis 2015 des Bezirks Treptow-Köpenick ausgezeichnet. Jasmin Herbst (Abiturientin 2016) gewann den Montgolfier-Preis 2016 für ihr besonderes Engagement in der Homepage-AG sowie an vielen anderen Stellen des schulischen Lebens. Auch während der Projektwoche 2016 hat sie zusammen mit Nadja Rietdorff aktiv das Arduino-Projekt geleitet.

Wir haben den Eindruck (nicht die Gewissheit), dass sich die Umgestaltung der Fachcurricula mit anschaulicheren, interessanteren Themen positiv auf das Interesse und Lernverhalten von Schüler und insbesondere Schülerinnnen auswirkt.